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Gesellschaft

Jetzt kein Misstrauen gegen alles Russische!

In Oberhausen wurde ein russisch-polnischer Supermarkt angegriffen, auf der Frankfurter Buchmesse werden voraussichtlich nur wenige russische Verlage vertreten sein, in Warschau wird die Oper eines russischen Komponisten abgesagt, ein baden-württembergisches Restaurant wollte keine russischen Gäste mehr bedienen, eine italienische Universität verschiebt ein Seminar über Dostojewskij – was soll das?

Die Ausgrenzung von Russen und russischer Kultur ist eine Schande! Die Welt hat ein Problem mit Putin und seiner Clique – nicht mit den Russen und nicht mit der russischen Kultur.

Auch dass die russischstämmige Operndiva Anna Netrebko keine Engagements mehr erhält, weil sie sich zwar gegen den Krieg in der Ukraine ausgesprochen, aber nicht explizit von Wladimir Putin distanziert hat, löst in mir ein ungutes Gefühl aus. (Der Fall Gergijev ist allerdings anders gelagert.)

Korrupte Regime wie das von Putin neigen dazu, die eigene Bevölkerung moralisch zu korrumpieren. Für Künstler, selbst wenn sie im Ausland leben, ist es ausserdem nicht eben ratsam, sich öffentlich gegen Machtmenschen wie Putin zu stellen, solange sie noch Familie im Land haben. Iraner in der Diaspora kennen das, ebenso Chinesen.

Meinetwegen könnten sogar RT Deutsch und Sputnik ihre putinistische Stuss-Propaganda in Europa weiterverbreiten, die ohnehin nur bei Rechtspopulisten, Esoterikern und Impfgegnern verfängt. Putin mag Russland als eine gegen den Westen gerichtete Zivilisation betrachten, aber das sollte nicht zu spiegelbildlichen Reaktionen im Westen selbst führen.

Besser wäre es, wenn wir uns mit der Ukraine solidarisierten und zugleich Sympathie für die russische Bevölkerung, Sprache und Kultur bekundeten. Gerechtfertigte Sanktionsmassnahmen dürfen nicht in eine schändliche Russophobie ausarten, die obendrein Putin in seinem Verfolgungswahn bestärken würde.

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