Zwar wird die Energiewende der Umwelt keinen Vorteil verschaffen, was ökonomische Gründe hat und woran weder Deutschland im besonderen noch Europa im allgemeinen etwas ändern können. Dennoch gibt es keinen Grund zum Pessimismus und bleibt der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern der richtige Schritt.
Die Öl- und Gasvorräte auf diesem Planeten werden so oder so verbrannt werden. Indem Europa seine Energieversorgung dekarbonisiert, sinkt der Weltmarktpreis für Öl und Gas, sodass ärmere Länder in die Bresche springen . Die Lieferketten werden sich neu sortieren und Öl und Gas andernorts ihre Abnehmer finden. Auf diesen Mechanismus hat der Ökonom Hans-Werner Sinn aufmerksam gemacht.
Zudem ist die Energiegewinnung aus Solarzellen und Windrädern bekanntermassen schwankend und führt in Deutschland nur deshalb nicht zum Kollaps der Stromversorgung, weil es einen europäischen Strommarkt gibt. Damit Deutschland für andere Länder zum Vorbild für eine völlige Dekarbonisierung der eigenen Energieversorgung werden kann, müsste frelich das Problem mit der Speicherung gelöst werden. Wir stehen also vor schwierigen Aufgaben.
Batteriespeicher sind auf dem Vormarsch
Wenn die Energiewende aber der Umwelt im globalen Massstab nichts bringt und auch keine Vorbildfunktion hat, ist sie dann nicht hinfällig? Müsste man nicht einen völlig anderen Weg bei der Energieversorgung einschlagen? Nein, denn der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas macht uns zunächst einmal von Ländern wie Russland weniger abhängig und ist schon deshalb der richtige Schritt. Ausserdem könnte sich das Problem der Speicherung bald lösen.
Denn auch an der Speichertechnologie wird gearbeitet und immer mehr und grössere Batteriespeicher werden gebaut, aktuell eines in Sachsen-Anhalt, das nach seiner Fertigstellung im Jahr 2025 im Bedarfsfall über dreissigtausend Haushalte für 24 Stunden mit Strom versorgen könnte. Doch es kommt noch besser. Denn auch die Klimakrise könnte schon bald und viel besser gelöst werden, als Weltuntergangssekten und Kriegswirtschafts-prophetinnen uns weismachen wollen.
Um die CO2-Entnahme kommen wir nicht herum
Vor einiger Zeit wurde im Wissenschaftsjournal Spektrum.de daran erinnert, dass es nicht genügt, CO2-neutral zu werden. Es muss auch darum gehen, den Überschuss des Spurengases CO2 der sich schon in der Atmosphäre befindet, zu beseitigen. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, führt daher kein Weg daran vorbei, CO2 aus der Atmosphäre zu entnehmen.
Mittlerweile gibt es zwei chemische Verfahren (Katalyse) dafür. Sie sind keine Alternative zur CO2-Einsparung, aber unabdingbar, wenn es darum geht, die Erderwärmung aufzuhalten. Die gute Nachricht: Was bisher über Laborversuche kaum hinausging, gelangt mittlerweile in eine kommerzielle Phase. Ein in Essen angesiedeltes Start-Up will CO2 nicht nur aus der Luft extrahieren, sondern es sogar anschliessend nutzbar machen.
Es sind Technologie, Wissenschaft und Innovation, die uns aus der Klimakrise führen – und nicht Zwangswirtschaft und Aktivismus. Innovationen wiederum bedingen oftmals eine disruptive Entwicklung, die niemand hat vorhersagen können. Deshalb gibt es Grund zum Optimismus, kann die Energiewende gelingen und werden wir auch die Klimakrise in den Griff bekommen.